Anmerkungen zur Biografie
Bis Mitte 2025 haben wir auf dieser Webpräsenz zur Biografie unseres Vaters nur auf den Artikel zu Hans Gerhard Evers in Wikipedia hingewiesen. In letzter Zeit aber wurde dieser von einem einzelnen Bearbeiter so verändert, dass er sich insbesondere in dem Teil über die Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr mit unserer Kenntnis über das Leben unseres Vaters deckt. Die NS-Zeit wurde in der aktuellen Wikipedia-Version deutlich aufgebläht und wird aus unserer Sicht teilweise mit subjektiv wertenden Unterstellungen beschrieben, auch durch eine einseitige Auswahl der Referenzstellen und Zitate. Entlastende Fakten, die dem Bearbeiter bekannt waren, wurden gestrichen. Der Bearbeiter ist Kunsthistoriker mit einem Schwerpunkt in der Rubensforschung. Da er mit Teilen der Forschungsergebnisse in der Rubensbiografie von Evers nicht übereinstimmt, sieht er Evers kritisch. Das ist sein gutes Recht. Es kann ja sein, dass Evers fachlich geirrt hat. Wir hätten uns allerdings eine inhaltliche Auseinandersetzung gewünscht, sehen stattdessen eine Tendenz zur persönlichen Herabwürdigung.
Für uns ist schwer nachvollziehbar, wenn Historiker über historische Epochen aus heutiger Erkenntnis urteilen, ohne die Verhältnisse der damaligen Zeit zu berücksichtigen. So waren manche heute als Folge ihrer missbräuchlichen Benutzung durch den Nationalsozialismus tabuisierten Begrifflichkeiten vor und noch in der damaligen Zeit „normal“ und bei der historischen Auseinandersetzung mit noch weiter zurückliegenden Epochen vielleicht sogar unvermeidlich. Sprache und Begrifflichkeit unterliegen immer auch dem Zeitgeist.
Dass Evers nie offen gegen das NS-Regime opponiert hat, ist unbestritten. Dass er sich ab 1938/39 unter Druck des Regimes und ab 1939 als dienstverpflichteter Soldat (bis 1943 im Rang eines Unteroffiziers) vielleicht mehr als aus heutiger Sicht wünschenswert angepasst hat, mag so sein. Es ist uns allerdings auch keine Veröffentlichung bekannt geworden, in der er sich direkt oder indirekt für den Nationalsozialismus engagiert hätte. Und unter dem auch finanziell-beruflichen Druck, unter dem er durch sein "nichtarische Ehe" zeitweise stand, und angesichts der Abhängigkeiten als dienstverpflichteter Soldat wäre es ja einfacher gewesen, das zu tun als es zu vermeiden.
Es sind uns auch keine Handlungen bekannt geworden, in denen er Kunstwerken, für die er Verantwortung trug, oder gar Menschen geschadet hätte. Er hat zeitlebens gerne über Kunst referiert, das hat er zeitweise und vielleicht unvermeidlich wohl auch vor Nationalsozialisten und in rechten Publikationen getan. Dass er in der Zeit in Italien auch subversiv seinen Anweisungen entgegengearbeitet hat, ist dokumentiert. So hat er z. B. veranlasst, die „Römische Wölfin“ im Vatikan zu sichern, als der Plan aufkam, sie für das Deutsche Reich zu beschlagnahmen. Auch dass er unter den deutschen Kunstschutz-Kollegen in Italien zunehmend unter Druck geriet, lässt sich seinen Briefen entnehmen. Die italienischen Denkmalschützer haben ihm dagegen nach dem Krieg, also frei von politischer Unterdrückung, durchweg ehrenhaftes und engagiertes und eben auch teilweise den Vorgaben des deutschen Regimes widersprechendes Wirken für die Sicherung der italienischen Kunst bescheinigt. Mit Kunstraub hatte er nicht zu tun.
Wir haben mit sehr vielen Forschen zusammengearbeitet, die die Kunstgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus untersucht haben. Wir haben unser Archiv vollständig für diese Forscher geöffnet, Antworten auf offene Fragen in den privaten Briefen gesucht und unsererseits immer auch die Frage nach möglichen Verfehlungen gestellt. Wenn es als das Gravierendste erscheint, dass er in einem offiziellen Dokument den Feind als „Feind“ und einen emigrierten Kollegen als „Emigrant“ bezeichnet hat, können wir damit gut leben.
Die Veränderung des Wikipedia-Artikels hat uns veranlasst, diese Biografie hier als Unterseite einzufügen. Sie hat uns auch genötigt, darin die eigentlich private Scheidung von seiner ersten Ehefrau und die daraus resultierenden Anpassungen sowie die Wehrdienstzeit ausführlicher darzustellen, als es seinem Gesamtwirken als Hochschullehrer und Wissenschaftler angemessen wäre. – Übrigens ist nicht derjenige ein Rassist, der eine nach Rassegesetzen als „Halbjüdin“ diffamierte Frau geheiratet hat. Vielmehr ist er zunächst das Co-Opfer einer unmenschlichen staatlichen Übermacht, wenn ihm mitgeteilt wird, Frau und Kinder seien minderwertig, und er habe dafür Konsequenzen zu tragen.
Der Text der Biografie beruht teilweise auf früheren Versionen des Wikis über Hans Gerhard Evers. Die Angaben und Anmerkungen entsprechen dem Stand am 10. September 2025.