Hans Gerhard Evers 1965

Hans Gerhard Evers
        Familienarchiv

Hans Gerhard Evers (Hrsg.)

1. Darmstädter Gespräch 1950: „Das Menschenbild in unserer Zeit”, Tagungsband

Herausgegeben im Auftrag des Magistrats der Stadt Darmstadt und des Komitees Darmstädter Gespräch 1950 von Hans Gerhard Evers

Neue Darmstädter Verlagsanstalt GmbH, Darmstadt 1950

Hans Gerhard Evers, 1. Darmstädter Gespräch, Titel Tagungsband 

Zum Download des Tagungsbands des 1. Darmstädter Gesprächs (14 MB)

Digitalisiert und hier zum Download bereit gestellt mit freundlicher Genehmigung der Neuen Darmstädter Verlagsanstalt (NDV), Herrn Andreas Holzapfel.

 

Die Darmstädter Gespräche

Besondere Bedeutung im Wirken von Hans Gerhard Evers sowie für seine Rolle im Kulturleben der Stadt Darmstadt hatte seine maßgebliche Teilhabe an den „Darmstädter Gesprächen”. Diese fanden von 1950 bis 1968 insgesamt zehn Mal zu wechselnden Themen in Trägerschaft der Stadt sowie ihrer kulturpolitischen Institutionen statt. Mehrere dieser öffentlichen Podiumsgespräche waren von Kunstausstellungen zum jeweiligen Thema begleitet; alle wurden in entsprechenden Protokollbänden und ggf. Ausstellungskatalogen dokumentiert. In der unmittelbaren Nachkriegszeit leisteten sie einen wesentlichen Beitrag zur Neubegründung einer intellektuellen Diskussionskultur in Deutschland. Die Auswahl der Themen sowie der Vortragenden oblag einem Komitee mit wechselnder Zusammensetzung; nur Evers gehörte dem Komitee von Beginn und über seine Emeritierung 1968 hinaus kontinuierlich an.

Unter den meist dreitägigen, öffentlichen Foren im Spannungsfeld zwischen Kunst, Politik, Philosophie und Ethik setzte gleich das erste Darmstädter Gespräch im Juli 1950 zum Thema „Das Menschenbild in unserer Zeit” bleibende Maßstäbe. Die Organisation und Gesprächsleitung hatte Evers unmittelbar nach seiner Berufung auf den Lehrstuhl für Kunstgeschichte in Darmstadt übernommen. In weniger als vier Monaten verwirklichte er ein Programm mit namhaften Geistesgrößen der Zeit, das bewusst auf die Spannung zwischen gegensätzlichen Sichtweisen setzte. Entsprechend hitzig verlief das daraus folgende Streitgespräch zwischen Befürwortern und Gegnern der abstrakten Kunst, wobei Evers sich als umsichtiger Gesprächsleiter bewährte. Legendär wurde insbesondere die erbitterte Auseinandersetzung zwischen Willi Baumeister als Vertreter der Modernen Kunst und Hans Sedlmayr, der darin den „Verlust der Mitte” sah. 1)2)

Das enorme öffentliche Interesse gerade am 1. Darmstädter Gespräch gründete auch in dessen Charakter als Stellvertreterdiskussion über Gesellschaftsentwürfe nach dem Ende des NS-Regimes, in dem nicht-gegenständliche Kunst verfemt gewesen war. Dass Evers die offenkundigen politischen Konnotationen der Debatte unter dem Postulat einer vermeintlich objektiv-neutralen Wissenschaft auszuklammern suchte, war der Preis dafür, in der geistigen Gestimmtheit der Zeit überhaupt wieder unterschiedliche Positionen und (oftmals belastete) Personen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Mit seiner zentralen Rolle bei diesem ersten Darmstädter Gespräch sowie seiner konzeptionellen Mitwirkung in allen Folgeveranstaltungen sicherte Evers seinem Institut wie auch sich selber eine bleibende Stellung als geschätzte Instanz im Kulturbetrieb der Stadt Darmstadt. Beim 10. Darmstädter Gespräch „Mensch und Menschenbilder“ übernahm Evers noch einmal Teile der Gesprächsleitung.

Zeitgleich mit seiner Emeritierung kam es nach 1968 zu einer Unterbrechung in der Reihe der Darmstädter Gespräche. Versuche der Wiederbelebung 1975, 1995 und 2001 konnten an die Strahlkraft der früheren Gespräche nicht mehr anschließen.